Johann von Bülow, © Nils Schwarz

"Der Untergeher"
Thomas Bernhard mit Johann von Bülow u.a.

Villa Papendorf

"Der Untergeher" - Thomas Bernhard mit Johann von Bülow u.a.



    Villa Papendorf

    „Der Untergeher” von Thomas Bernhard


    Johann von Bülow, Rezitation.

    Rahel Rilling, Violine, Gabriel Adorján, Violine, David Adorján, Violoncello


    Der Erzähler in dem 1983 publizierten Werk wohnt in Madrid und schreibt eine Arbeit über den kanadischen Pianisten Glenn Gould, »den wichtigsten Klaviervirtuosen des Jahrhunderts«, der, auf dem Gipfel seiner Kunst, aufhörte zu spielen. In Madrid erreicht den Erzähler ein Telegramm, das das Begräbnis seines Freundes Wertheimer anzeigt, der sich umgebracht hat. Die drei hatten sich in Salzburg bei einem Musikkurs von Horowitz kennengelernt. Bald stellte sich heraus: Glenn Gould war das größte Genie. Unter dem Eindruck der Übermacht dieses Genies wurde der Erzähler zu einem »Weltanschauungskünstler«, zum Kritiker seiner Zeit und besonders zum Kritiker Österreichs, Wertheimer dagegen stürzte in eine unumkehrbare Existenzdepression.

    Im Zentrum der Gedanken in „Der Untergeher“ steht die Reflexion, der ausführliche Vergleich des Ich-Erzählers mit Wertheimer, der zur Konfrontation zweier unterschiedlicher Lebensmodelle bei gleich gelagerter Ausgangsposition wird.

    Johann von Bülow leiht dieser tragischen, aber auch humoristischen Erzählung nun seine Stimme und arbeitet gekonnt diese Nuancen zwischen Weinen und Lachen heraus. Dazu erklingt das Musikstück, was bis heute, fast in einem Atemzug mit Glenn Gould genannt wird, die Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach in einer selten gespielten Besetzung, durch ein Streichtrio mit David Adorján, Rahel Rilling und Gabriel Adorján.

    Thomas Bernhard (1931-1989) zählt zu den bedeutendsten österreichischen Schriftstellern. In über vierzig Sprachen übersetzt, gilt er heute als Weltautor. Er hat als Autor von Gedichten, Erzählungen, Romanen und Theaterstücken ein Gesamtwerk geschaffen, das zu den

    bedeutendsten schriftstellerischen Leistungen des 20. Jahrhunderts zählt. Nach wie vor und über den deutschsprachigen Raum hinaus vermag Bernhards Werk sowohl eine nachhaltige Resonanz beim Publikum als auch eine immer wieder kontrovers geführte wissenschaftliche Auseinandersetzung hervorzurufen. 1963 gelang ihm nach der Veröffentlichung mehrerer Lyrikbände mit dem Roman Frost der literarische Durchbruch. In rascher Folge erschienen zahlreiche weitere Romane und Erzählungen: Amras (1964), Verstörung (1967), Das Kalkwerk (1970), Korrektur (1975), Der Untergeher (1983), Alte Meister (1985) und Auslöschung (1986). Ab 1970 wurde Bernhard auch zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Dramatiker, insgesamt achtzehn Theaterstücke wurden uraufgeführt. Öffentliche Anerkennung wurde ihm unter anderem mit der Verleihung des Georg-Büchner-Preises (1970), des Premio Letterario Internazionale Mondello (1983) und des Prix Medicis (1988) zuteil.

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